Terra preta NOVA

Unser Ziel: Das Konzept der Terra preta einem möglichst großen Kreis von Interessierten zugänglich machen.

Mittwoch, 14. April 2010

Holzkohle selbst gemacht


In diesem Film zeigen wir die Herstellung von Holzkohle nach der Fass-in-Fass-Methode:

Film ansehen




Eine spätere Version wird mit Ton hinterlegt, bzw. mit Untertiteln versehen werden, die dann natürlich auch hier verlinkt werden wird.

Viel Spaß beim Ansehen!

Mittwoch, 17. März 2010

Öko-Strom für alle

Terra Preta – Lösung des Klimaproblems? – Teil 11
In einem vorangegangen Teil haben wir darauf hingewiesen, dass es zwar möglich ist, mit Hilfe der Terra Preta bereits in die Atmosphäre entlassenes Kohlendioxid wieder herauszufiltern – indem man diese Arbeit den Pflanzen überlässt, die dann anschließend zu Biochar verkohltwerden. Doch die überschlägige Rechnung macht klar, dass das nicht der alleinige Weg sein kann, um das Klimaproblem zu lösen.

Nur um den CO2-Ausstoß des Altkreises Wittlage auszugleichen, müssten nämlich pro Tag etwa 600 bis 700 Tonnen Pflanzenmasse zu etwa 300 bis 350 Tonnen Biochar-Kohle umgewandelt werden. Um diese gewaltige Pflanzenmenge zu produzieren, müsste grob geschätzt etwa die Hälfte der Ackerfläche des Altkreises für diese Pflanzenproduktion bereit gestellt werden.

Noch ungünstiger wird die Rechnung, wenn man den CO2-Ausstoß einer Großstadt wie Osnabrück oder gar Hamburg auf diese Weise kompensieren wollte.

Deshalb dürfte es deutlich geworden sein, dass wir weiterhin nicht darum herum kommen, unseren individuellen CO2-Ausstoß zu senken, wenn wir unser Klimaschutzziel erreichen wollen.

Wie wir in früheren Aktionen – für die wir mehrfach mit einem Preis beim Bundesumweltwetbewerb ausgezeichnet wurden - schon gezeigt haben, gibt es auch für den einzelnen mehrere Möglichkeiten, Kohlendioxid einzusparen. Eine davon wollen wir heute noch einmal gezielt vorstellen:

Wie durch viele Quellen bestätigt wird, kommen etwa 40% der deutschen CO2-Emissionen aus den Kaminen der Braun- und Steinkohlekraftwerke, obwohl Strom nur etwa 20% der Nutzenergien ausmacht (neben Heizöl, Benzin, Diesel, Erdgas, usw.). Es kann also sinnvoll sein, hier anzusetzen.

Da wir aber natürlich nicht auf Strom verzichten können – wir können lediglich sparsamer damit umgehen, dazu in einer späteren Folge mehr – bietet sich die Möglichkeit, Strom zu beziehen, der ohne oder nur mit sehr wenig CO2-Freisetzung verbunden ist. Das ist der so genannte Ökostrom.

Die meisten Bürgerinnen und Bürger wissen zwar, dass es Ökostrom gibt und viele von ihnen würden ihn auch gerne beziehen, aber es gibt noch einige Unsicherheiten, auf was man sich einlässt, wenn man diesen nutzt. Deshalb das allerwichtigste vorweg: Auch wenn man zu Ökostrom wechselt, bleibt die Versorgungssicherheit zu 100% erhalten! Niemand muss befürchten, plötzlich ohne Strom dazustehen, weil der Wechsel nicht „rechtzeitig“ klappt oder man Angst hat, dass nicht genügend Ökostrom zur Verfügung stünde, um die Nachfrage zu befriedigen.

Der Wechsel auf Ökostrom ist eine reine Formsache. Man füllt lediglich ein Formular aus, es wird keine neue Leitung verlegt und der bisherge Stromversorger kümmert sich auch weiter um die techniche Sicherheit des Stromnetzes. Dafür erhält er schließlich auch eine Vergütung (Durchleitungsgebühr genannt), also einen Teil des Geldes, das man für den Ökostrom bezahlt.

Und falls wider Erwarten der Ökostromversorger einmal nicht mehr liefern können sollte, ist der alte Stromversorger zur Ersatzlieferung verpflichtet. Es besteht also überhaupt kein Risiko, wenn man auf Ökostrom umstellt.Und Geld sparen kann man obendein, denn die meisten Ökostromanbieter sind preiswerter als der örtliche Versorger! Es gibt also eigentlich keinen Grund, nicht ab sofort Ökostrom zu beziehen!

Wie funktioniert der Wechsel? Ganz einfach! Man braucht bloß ins Internet zu gehen und die Seite www.verivox.de aufzusuchen. Dort klickt man in der Menüzeile „Ökostrom“ an, gibt in dem sich öffnenden Fenster den bisherigen Stromverbrauch und die Postleitzahl ein und kann dann unter rund 30 Anbietern den aussuchen, den man möchte.

Bei allen Anbietern kann man sich das Anmeldeformular als PDF herunterladen oder es Online zur Zusendung anfordern. Manchmal ist der Wechsel auch gleich Online möglich. Wenn man das Formular ausfüllt und abschickt, hat man schon alles getan, was nötig ist. Der neue Anbieter kündigt den Vertrag beim ehemaligen Versorger und die Ökostromlieferung beginnt in der Regel im übernächsten Monat. Es kommt niemand ins Haus, um Kabel umzuklemmen oder den Zähler auszutauschen, da bleibt alles beim alten! Wir raten lediglich davon ab, einen Anbieter zu wählen, der Vorkasse für mehrere Monate verlangt, weil man da das kleine Risiko hat, dass das gezahlte Geld verloren ist, wenn der Anbieter vom Markt geht.

Wir geben sonst keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter, denn es sollte jeder selbst entscheiden, welche Mischung an Erneuerbaren Energien sie oder er beziehen möchte.

Fragen und Anregungen beantworten wir gerne unter unserer Email-Adresse terrapreta@web.de

Freitag, 15. Januar 2010

Terra Preta – Lösung des Klimaproblems? – Teil 10



Wie wir bereits zu Beginn unserer Artikelserie berichteten, entstammt die Terra preta dem Amazonas-Regenwald. Dort hatten die Indios bereits vor mehreren tausend Jahren damit begonnen, den Urwaldboden gezielt mit Holzkohle und anderen Stoffen anzureichern und so eine enorme Steigerung der Bodenfruchtbarkeit erzielt.

Dieser Urwald ist nun aber von der Vernichtung bedroht und es bedarf großer Anstrengungen, ihn davor zu bewahren. Denn neben dem Erbe der Terra preta hat der Regenwald eine sehr große Bedeutung für das Klima unseres Planeten: Fachleute bezeichnen ihn auch als „grüne Lunge“ der Erde.

Die Zerstörung des Regenwaldes schreitet in großem Umfang vor sich, jede Minute wird Wald von der Fläche zweier Fußballfelder gerodet, teils um Ackerland für die ansässige Bevölkerung zu schaffen, zum großen Teil aber für Acker- und Weideflächen, die der Fleischproduktion für den Export dienen. Weiterer Einschlag dient der Gewinnung von Tropenholz, ebenfalls für den Export. So sind wir Konsumenten in den Industrieländern nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung. Mit dem Wald verschwinden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die dann unwiederbringlich verloren sind.


Abb.: Nach der Vernichtung des Waldes wird der Boden durch Erosion abgetragen und weggeschwemmt.

Wenn man weiß, dass eine Reihe von Grundstoffen für Medikamente aus solchen Pflanzen gewonnen werden und höchstwahrscheinlich noch viele Wirkstoffe bislang unentdeckt sind, sollte man ein eigenes Interesse an der Erhaltung des Regenwaldes haben.

Seit einigen Jahren gibt es Organisationen, die Spendengelder sammeln, damit dann Regenwald kaufen, um ihn gezielt unter Schutz zu stellen. Nun ist es aus verschiedenen Gründen nicht jedermanns Sache, regelmäßig Geld für solche Zwecke zu erübrigen. Doch seit Kurzem gibt es die Möglichkeit, auch ohne eigenen finanziellen Aufwand einen merklichen Beitrag zum Schutz des Regenwaldes zu leisten.

Der World Wildlife Fund (WWF) hat nämlich zusammen mit den Internet-Suchmaschinen Yahoo und Bing eine neue Suchmaschine ins Leben gerufen, deren Gewinne zu 80% für den Schutz des Regenwaldes verwendet werden. Ein weiterer Vorteil dieser Suchmaschine liegt darin, dass der Strom, der zum Betrieb der Server benötigt wird, Öko-Strom ist, also weitgehend CO2-frei produziert wird.

Der Name dieser neuen Suchmaschine ist www.ecosia.de. Auf der betreffenden Intenetseite finden sich zahlreiche weitere Informationen, so dass wir an dieser Stelle darauf verzichten, zu viele weitere Details darzustellen.

Erwähnt werden sollte allerdings noch, dass Ecosia nicht wie einige andere Suchmaschinen Benutzerprofile anlegt und persönliche Daten zu Werbezwecken weiter verkauft. Wer also großen Wert auf den Schutz persönlicher Daten legt, ist bei dieser Suchmaschine gut bedient.

Jeder, der mit dem Internet umgeht, kann also einen eigenen, wertvollen Beitrag zum Schutz des Regenwaldes leisten. Kommerzielle Anbieter bezahlen nämlich dafür, dass ihre Webseiten in den Suchmaschinen eine gute Platzierung erhalten. Außerdem werden gesponserte Links zu Werbezwecken geschaltet, die ebenfalls kostenpflichtig sind. So erzielen Suchmaschinen Einnahmen, die bei den größeren von ihnen in die Milliarden gehen.

Was liegt also näher, als einen Teil solcher Einnahmen gezielt für den Schutz des Regenwaldes zu verwenden? Das Geld fließt in ein Projekt des WWF im Juruena Nationalpark im Amazonas. Für gerademal 5 Euro/7,50 USD kann man dort einen ganzen Hektar Regenwald schützen. Pro Suchanfrage werden somit knapp 2 m² Regenwald geschützt.

Wer will, kann die Suchmaschine in seinen Internet-Browser einbinden. Dann wird in der Fußzeile jeweils eingeblendet, wie viel Quadratmeter Regenwald man durch seine persönlichen Aktivitäten bisher geschützt hat und wie viele Quadratmeter durch die Aktivität aller Nutzer bisher geschützt werden konnten. Zurzeit sind es pro Tag ca. 1 Million Quadratmeter. Es wäre schön, wenn wir durch diesen Artikel auch dazu beitragen könnten, dass es bald deutlich mehr wird.

Fragen und Anregungen beantworten wir gerne unter unserer Email-Adresse terrapreta@web.de

Arbeitsgruppe Terra preta in der AG Energie & Umwelt

Terra Preta – Lösung des Klimaproblems? – Teil 9

In unseren bisherigen Artikeln sind wir wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass der Zusammenhang zwischen Kohlendioxid-Gehalt (CO2) der Atmosphäre und Klima allgemein bekannt ist und akzeptiert wird.

Doch die öffentlich geführte Diskussion der letzten Wochen hat uns gezeigt, dass dem nicht unbedingt so ist. Deshalb noch ein paar weitere Informationen zum Thema, die etwas mehr Licht in das Dunkel bringen sollen:

Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist bekannt, dass es einzelne Gase gibt, die Wärmestrahlung aufnehmen (absorbieren) und sich dabei entsprechend erwärmen. Dies sind aber nicht etwa die Hauptbestandteile der Luft, also Stickstoff und Sauerstoff, sondern Gase, die eher in geringen Mengenin der Luft vorkommen, nämlich Kohlendioxid und Wasserdampf. Dabei kann der Anteil von Wasserdampf bis zu 4% an der Luft betragen, während Kohlendioxid heute nur knapp 0,04% ausmacht, also nur rund 1/100 des Wasserdampfanteils. Allein diese beiden Gase verursachen bis zu 98% des so genannten Treibhauseffektes, sind also für das gegenwärtige Klima – und auch das künftige! - der Erde verantwortlich. (Wasserdampf bestimmt den Wärmehaushalt dabei zu 36 – 72%, Kohlendioxid zu 9 – 26%).

Aus physikalischen Berechnungen und Experimenten ergibt sich nämlich, dass unsere Erde nur mit einer Lufthülle OHNE Treibhausgase eine Durchschnittsgtemperatur von ca. -18 °C aufweisen würde, also ungefähr 33 °C kälter wäre, als sie es heute MIT den Treibhausgasen ist.

Es ergibt sich also fast von sellbst, dass eine Lufthülle mit einem höheren Anteil von Treibhausgasen auch eine insgesamt wärmere Atmosphäre zur Folge hätte. Dabei ist aber noch zu beachten, dass der Wasserdampfgehalt der Luft stark von der Umgebungstemperatur abhängig ist, während der CO2-Gehalt praktisch beliebig hohe Werte annehmen kann. Letzteres ist also das wichtigere der beiden Klimagase.

So haben wir Menschen es während der letzten 200 Jahren geschafft, den natürlichen CO2-Gehalt der Luft von rund 0,028% (280 ppm) auf inzwischen 0,039% (390 ppm) zu erhöhen. Obwohl die Werte für den Laien immer noch sehr niedrig erscheinen, ist dies schon ein Zuwachs von fast 40%!

Aber der Zuwachs geht weiter und ohne entsprechende Anstrengungen werden wir noch in diesem Jahrhundert eine Verdoppelung gegenüber dem natürlichen Wert der vergangenen Jahrtausende bekommen.

Dabei muss man eben wissen, dass der CO2-Gehalt in der jüngeren Vergangenheit über mehrere Tausend Jahre relativ stabil war und nur im Bereich von wenigen Dutzend ppm schwankte, während wir Menschen durch unser Zutun, nämlich aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas sowie Waldrodung und Ausweitung der Ackerflächen ihn schon um über 100 ppm erhöht haben.

Welche Folgen das für das System Erde haben würde, wird seit gut 20 Jahren intensiv von Klimawissenschaftlern untersucht. Obwohl es noch manche Unsicherheiten gibt, ist heute schon sicher, dass die nachteiligen Folgen eines ungebremsten CO2-Anstiegs mögliche Vorteile bei weitem überwiegen würden.

Weil unsere Erde heute schon an vielen Stellen dicht mit Menschen besiedelt ist, und kaum noch Ausweichgebiete vorhanden sind, könnten schon kleinere Auswirkungen des Klimawandels oder besser gesagt, der globalen Erwärmung zu Wanderbewegungen führen, die die Völkerwanderungen der historischen Vergangenheit weit in den Schatten stellen. Um nur eine mögliche Folge zu nennen: ein Meeresspiegelanstieg von deutlich mehr als einem Meter in diesem Jahrhundert ist denkbar, wenn wir ungehindert fortfahren, CO2 in die Atmosphäe zu pumpen.

Was auch nur ein Meter zusätzliche Meereshöhe bedeuten würde, kann man sich mit ein bisschen Fantasie und geringen Geografiekenntnissen leicht selber ausmalen.

Doch bereits, das, was sich heute in der Atmosphäre befindet, ist schon zu viel und wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Klimaänderungen der nächsten zwei bis drei Jahrzehnte bestimmen. Denn das Klimasystem der Erde ist wegen der großen Oberfläche der Ozeane träge und reagiert mit entsprechender Verzögerung auf Änderungen der Luftzusammensetzung.

Deshalb ist es durchaus sinnvoll, darüber nachzudenken, ob es nicht Möglichkeiten gibt, einen Teil des CO2s wieder aus der Atmosphäre zu entfernen, wobei es natürlich auch mindestens ebenso wichtig ist, weitere Emissionen aus den fossilen Brennstoffen zurück zu fahren. Über Letzteres wird ja gerade in Kopenhagen verhandelt.

Mit technischen Mitteln wird es allerdings kaum gelingen, nennenswerte Mengen von CO2 aus der Luft zu holen. Allein schon der Energieaufwand dafür wäre gewaltig. Ein Kubikmeter Luft enthält knapp ein halbes Gramm CO2. Man müsste also mehr als zwei Millionen Kubikmeter Luft „filtern“, um auch nur eine Tonne CO2 herauszuholen.

Wir Menschen emittieren inzwischen aber pro Jahr mehr als 30 Milliarden Tonnen CO2 (siehe Abbildung)! Also keine Chance, das Problem technisch zu lösen. Möglich wäre es aber, den Pflanzen diese Arbeit zu übertragen, denn die tun seit mehreren hundert Millionen Jahren nichts anderes: sie entnehmen der Luft CO2, gewinnen daraus Kohlenstoff und bauen ihn in ihre Pflanzenmasse ein. Erntet man die Pflanzen könnte man daraus den Kohlenstoff gewinnen und auf dem selben Acker die nächste Pflanzengeneration zur Gewinnung weiterer Kohle heranziehen. Und das immer wieder aufs Neue!



Wie wir bereits berichtet haben, ist die so gewonnene Biokohle aber auch Grundstoff für die Terra preta, die neben der Kohlenstoffspeicherung auch einer der besten Pflanzendünger ist! Auf diese Weise könnte man also tatsächlich einen viel versprechenden Weg zur Lösung des Klimaproblems beschreiten.


Fragen und Anregungen beantworten wir gerne unter unserer Email-Adresse terrapreta@web.de

Arbeitsgruppe Terra preta in der AG Energie & Umwelt

Terra Preta – Lösung des Klimaproblems? – Teil 8

In der vorangegangenen Ausgabe des Eichen-Linden-Kastanien-Blattes wurde das Verfahren der hydrothermalen Karbonisierung dargestellt. Dieses Verfahren könnte insbesondere für die Produktion von Terra Preta im industriellen Maßstab zum Zuge kommen.

Neben der gezielten Produktion von Terra Preta erschließt sich jedoch auch ein weiteres, riesiges Anwendungsgebiet in der Nutzung von speziellen Öfen in Entwicklungsländern zum Kochen. In dem heutigen Artikel soll ausgehend von der Problematik, in der sich Menschen in Entwicklungsländern heutzutage befinden, ein auf dieses Problem angepasster Ofen vorgestellt werden.

In den armen, ländlichen Regionen Afrikas müssen viele Millionen Menschen täglich um ihr Überleben kämpfen. Sie sind haben keinen Zugang zu sauberen, fließendem Wasser und Elektrizität. Da andere Brennstoffe nicht erschwinglich sind, nutzen diese Menschen Holz, anderes Pflanzenmaterial und sogar Dung zum Kochen ihres Essens. Die Feuerstellen, die hierbei benutzt werden, entsprechen in keiner Weise den Anforderungen an eine gesunde Lebensweise. Häufig kochen die Menschen auf offenen Feuern in ihren Häusern. Der Rauch dieser einfachen Feuerstellen enthält zahlreiche die Gesundheit schädigende Stoffe, die von den Menschen dann eingeatmet werden.

Deshalb erkranken sie an chronischer Bronchitis, Asthma, Lungenkrebs oder Tuberkulose, die zu einer verringerten Lebenserwartng führen. Auch nachts stellen die Feuerstellen eine tödliche Gefahr dar. Da die einfachen Häuser der afrikanischen Bevölkerung häufig nur eine Tür und einen Spalt unter dem Dach als Rauchabzug haben, jedoch keine Fenster, sammeln sich die Gase im Raum. Wenn die Bewohner sich nachts an der noch warmen Feuerstelle zum Schlafen legen, breitet sich häufig das tödliche Gas Kohlenmonooxid aus und die Menschen sterben an einer Kohlenmonooxidvergiftung.

Jährlich sterben rund 3 Millionen Kinder unter 5 Jahren an Atemwegserkrangungen, da ihre Lungen den giftigen Gasen am wenigsten entgegensetzen können. Die giftigen Gase sind nach Unterernährung, Krankheitsübertragung durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und verseuchtem Wasser das viertgrößte Gesundheitsrisiko in den Entwicklungsländern.

Doch welche Möglichkeiten gibt es, den tödlichen Rauch zu vermeiden?

Ingenieure in westlichen Ländern und den Entwicklungsändern selbst haben sich dieses Problems angenommen und es existieren inzwischen zahlreiche Konstruktionen von Öfen, die diesem Problem beikommen sollen und bei entsprechender Verbreitung auch können. Einen solchen Ofen, den Anila Stove, haben wir in dieser Artikelserie bereits vorgestellt. Der Anila Stove kann während des Betriebes auch Bioholzkohle erzeugen, die dann zur Herstellung von Terra Preta verwendet werden kann

Ein weiteres Beispiel für einen solchen Ofen ist der „Lucia Stove“. Er ist etwas aufwändiger in der Konstruktion, weil er gedrehte Teile enthält und setzt deshalb zu seiner Herstellung einen geeigneten Maschinenpark voraus. Bei größeren Stückzahlen kann jedoch der Preis für einen Ofen auf ca. 35 € begrenzt werden. Wenn man geeignete Förderprogramme ins Leben ruft, vielleicht auch als Maßnahme, die sich aus der Kopenhagener Klimakonferenz ergibt, so kann dieser Ofen in größerer Stückzahl zum Einsatz kommen.

Doch was ist das Besondere an diesem Ofen?
Der Lucia Stove besteht aus nur wenigen Teilen. Der Aufbau dieses Ofens ist in den abgebildeten Fotos zu erkennen.


Bestandteile des „Lucia Stoves“ www.world-stove.de



Der "Lucia Stove" www.world-stove.de

Die bei der Verbrennung von organischem Material, wie beispielsweise Holz, anfallende Energie, wird durch die Metallwände sehr gut genutzt. Der Ofen erreicht in seinem inneren sehr hohe Temperaturen. In Versuchen wurde ein Liter Wasser innerhalb weniger als einer Minute zum Kochen gebracht. Durch die hohen Temperaturen werden außerdem die bei der normalen Verbrennung entstehenden Gase mit verbrannt und können die Gesundheit der Hausbewohner nicht mehr gefährden.

Neben dem gesundheitlichen Aspekt bietet der Lucia Stove auch im Hinblick auf den Klimawandel einen großen Vorteil. Nicht nur, dass das Befeuerungsmaterial Holz durch den natürlichen Kohlenstoffkreislauf CO2 neutral ist, …es ist sogar CO2 negativ. Warum?

Das Holz hat während seines Wachstums CO2 aus der Atmosphäre gebunden und den Kohlenstoff in seinen Strukturen gespeichert. Normalerweise würde dieser Kohlenstoff nach dem Absterben der Pflanze erneut als CO2 in die Atmosphäre gelangen, weil das Pflanzenmaterial nach und nach von Mikroorganismen und Kleinlebewesen zersetzt wird. Auch bei herkömmlichen Feuerstellen und Öfen wird praktisch der gesamte Kohlenstoff des Brennmaterials zu CO2 umgesetzt.

Der Lucia Stove arbeitet jedoch nach einem etwas anderen Prinzip. Er nutzt nämlich das Pyrolyse-Verfahren um das Holz zu entgasen. Durch den zweiwandigen Aufbau kann man das eigentliche Brennmaterial mit so genannter Primärluft versorgen, deren Sauerstoffgehalt ausreicht, um das Material zu verschwelen. Die Schwelgase steigen im Inneren auf und werden dann am oberen Ende des Ofens durch zugeführte Sekundärluft, die durch die gekrümmten Kanäle zutritt (siehe Abbildung), vollständig verbrannt. So entsteht eine nahezu rauchlose Flamme. Das ausgegaste Holz bzw. Pflanzenmaterial bleibt als Bioholzkohle im Ofen zurück. Diese könnte zur Herstellung von Terra Preta auf dem Erdboden verteilt werden und den Bewohnern eine ertragreiche Ackerwirtschaft ermöglichen. Nach aktuellen Untersuchungen funktioniert der Anbau von Nahrungsmitteln auf Terra Preta selbst in Wüstenregionen hervorragend. Die Terra Preta glänzt insbesondere in diesen Regionen durch ihre hohe Wasserspeicherfähigkeit.

Zusammenfassend lassen sich drei große Vorteile, die für den Einsatz von Lucia Stove Öfen in Entwicklungsländern sprechen, hervorheben:
Die Rauchentwicklung und der Austritt gesundheitsschädlicher Gase wird minimiert
Der Atmosphäre wird CO2 in Form von Bioholzkohle entzogen
Durch die Möglichkeit einer ertragreichen Ernte auf Terra Preta bietet sich den Bewohnern eine stark verbesserte Ernährung und neue Einkommensmöglichkeiten


Interessierte können nach wie vor einen Bauplan des Ofens „Anila Stove“ (sehr ähnlich dem „Lucia Stove“ per E-mail bei uns kostenlos anfordern.

Auf Fragen und Anregungen antworten wir gerne unter unserer

E-mail-Adresse: terrapreta@web.de

AG Energie und Umwelt, Arbeitsgruppe Terra preta

Terra Preta – Lösung des Klimaproblems? Teil 7

Die hydrothermale Karbonisation


Nachdem wir in den vorangegangenen Ausgaben des Eichen-Linden-Kastanien-Blattes bereits verschiedene Möglichkeiten zur Herstellung von Biochar (Holzkohle as nachwachsenden Pflanzen) vorgestellt haben, soll in der heutigen Ausgabe das Verfahren der hydrothermalen Karbonisation vorgestellt werden.

Sie alle kennen Braunkohle. Braunkohle ist einer der klimawirksamsten Brennstoffe überhaupt. Bei der Herstellung von 1kw/h Strom entstehen unglaubliche 1153 Gramm CO2. Das bedeutet bei einem ausschließlich aus Braunkohle hergestellten durchschnittlichen Jahresstromverbrauches einer 4-köpfigen Familie von 4500 kwh/Jahr einen CO2-Ausstoß von ca. 5,2 Tonnen Kohlenstoffdioxid.

Doch wie kommt dieser hohe CO2-Ausstoß bei der Braunkohle zustande?
Braunkohle ist das Ergebnis der sogenannten natürlichen Karbonisierung. In dieser ist über mehrere Millionen Jahre Biomasse zu Braunkohle umgewandelt worden. Da die Biomasse beim Pflanzenwachstum den Kohlenstoff der Atmosphäre entzogen hat, ist dieser nun aufgrund der Umwandlung zu Braunkohle in dieser gespeichert. Wird die Braunkohle verbrannt, verbindet sich der Kohlenstoff zusammen mit dem Luftsauerstoff zu CO2 und entweicht als klimawirksames Gas in die Atmosphäre.

Braunkohle zu verbrennen wirkt sich also stark negativ auf unsere Klimabilanz aus. Doch wie verhält es sich, wenn man Kohlenstoff nicht aus Braunkohle verbrennt, sondern aus Biomasse durch chemische Prozesse in Kohle umwandelt und auf diese Weise der Atmosphäre den Kohlenstoff entzieht?

Dieser Fragestellung geht die Forschung von Terra Preta, insbesondere Biochar, nach. Da in vorangegangenen Artikeln mehrfach auf die Eigenschaften von Terra Preta und Biochar eingegangen wurde, soll an dieser Stelle darauf verzichtet werden, es noch einmal zu wiederholen.

Fortgefahren werden soll mit der Frage, wie die so genannte hydrothermale Karbonisation (HTC) abläuft. Die HTC ahmt die natürliche Karbonisierung nach.

Der entscheidende Unterschied zwischen dem natürlichen und dem künstlichen Verfahren liegt in dem Zeitfaktor. Während die natürliche Karbonisierung mehrere Millionen Jahre benötigt, ist die HTC bereits nach einigen Stunden abgeschlossen.
Der natürliche Prozess der Dehydrierung (Wasserentzug) und infolgedessen die neue Anordnung der Moleküle wird durch einen sehr hohen Druck von bis zu 2MPa und Temperaturen von ca. 180° Celsius beschleunigt.

Der große Vorteil der HTC gegenüber anderen Verfahren der Biocharherstellung liegt in der hohen Kohlenstoffausbeute von nahezu 100%. Auch die auf den Heizwert der Trockenmasse bezogenen Energiebilanz ist mit ca. 40% vertretbar, d.h., 40% der in der Trockenmasse enthaltenen Energie werden bei dem Prozess freigesetzt, der Rest verbleibt in der gebildeten Kohle.

Momentan werden Verfahren erprobt, in denen durch geschickte Prozessführung versucht wird, die Herstellung von Biochar in einer ununterbrochenen, sich selbst unterhaltenden Reaktion ablaufen zu lassen, so dass keine äußere Energie hinzugeführt werden muss.
Ein Durchbruch in diesem Bereich würde einen Durchbruch im gesamten Bereich der Terra Preta mit sich bringen. Denn: Bei einer sich selbst erhaltenen Reaktion zur Herstellung von Biochar könnte ohne zusätzlichen Energieaufwand der Atmosphäre laufend Kohlenstoff entzogen werden und ein bedeutender Beitrag zur Wahrung der 2° Grenze bei der Erderwärmung geleistet werden.

Interessierte können nach wie vor einen Bauplan des Ofens „Anila Stove“ aus der letzten Ausgabe per Email bei uns anfordern.

Auf Fragen und Anregungen antworten wir gerne unter unserer

E-mail-Adresse: terrapreta@web.de

AG Energie und Umwelt, Arbeitsgruppe Terra Preta

Terra preta – Lösung des Klimaproblems? Teil 6

In der letzten Folge sind wir auf das Problem eingegangen, ob der Anbau von Energiepflanzen in Konkurrenz zur Erzeugung von Nahrungspflanzen tritt. Das muss teilweise bejaht werden, so lange aus den Pflanzen Öle und Stärke gewonnen werden, die dann zu Bioethanol oder Biosprit, bzw. Biodiesel weiter verarbeitet werden.

Pflanzen produzieren aber auch große Mengen von Zellulose, die zur Bildung des Pflanzengerüstes dient. Zellulose kann von den wenigsten Lebewesen aufgeschlossen und verdaut werden, so dass hier keine Konkurrenz zu Nahrungspflanzen vorliegt. Das Erzeugungspotential ist gewaltig und liegt beim bis zu 5-fachen des heutigen Erdölverbrauchs.

Das Problem liegt aber darin, die Zellulose entsprechend chemisch aufzubereiten, so dass man daraus Energieträger gewinnen kann, die bevorzugt in flüssiger Form vorliegen. Dazu muss die Zellulose, die lange Molekülketten bildet, in kleinere Bruchstücke umgewandelt und dann gezielt zu Öl-oder Benzin-ähnlichen Verbindungen umgewandelt werden. Dazu gibt es verschiedenen Möglichkeiten, durch Hitzeeinwirkung die Pflanzenteile zu zersetzen (Pyrolyse).

Bei Temperaturen bis zu 200 Grad kann man die Zellulose in das Grundmolekül Zucker aufgespalten und dann auf herkömmliche Weise zu Bioethanol vergoren werden. Zwischen 400 und 600 Grad lässt sich ein Bio-Öl gewinnen, das dann zu Benzin oder Diesel weiter verarbeitet werden kann. Oberhalb von 700 Grad schließlich erhält man ein Gasgemisch, hauptsächlich bestehend aus Wasserstoff unf Kohlenmonoxid, aus dem sich durch die so genannte Fischer-Tropsch-Synthese ganz gezielt wiederum flüssige Treibstoffe (und eine Vielzahl weiterer Verbindungen) herstellen lassen.


Abb.: Aus Pflanzenmasse wird Bioöl

Bisher größter Nachteil des letztgenannten Verfahrens sind die hohen Kosten des Syntheseverfahrens. Deshalb wurden zu Zeiten des billigen Erdöls auch vergleichsweise wenige Anstrengungen unternommen, diesen Weg zu gehen. Das ändert sich zur Zeit. Da niedrige Ölpreise endgültig der Vergangenheit angehören dürften, rückt dieses Verfahren wieder mehr in den Mittelpunkt des Interesses.

Begünstigt wird die Weiterentwicklung auch durch Fortschritte in der technischen Chemie. Heute stehen dank eines viel besseren Verständnisses vom Aufbau der Materie und moderner Computertechnik ungleich bessere Möglichkeiten zur Verfügung, solche Prozesse auch von den Kosten her erheblich zu verbessern.

Die Direktherstellung von Bio-Öl aus festem Pflanzenmaterial ist bisher die preisgünstigste Methode, flüssige Treibstoffe zu gewinnen. Allerdings sind die so hergestellten Stoffe ohne weitere chemische Verarbeitung fürden Einsatz in Verbrennungsmotoren weniger geeignet, weil sie säurehaltig sind und deshalb zu starker Korrosion in den Motoren führen. Deshalb muss solches Öl ähnlich Erdöl in Raffinerien entsprechend aufgearbeitet werden, was wiederum zu höheren Kosten führt.

Es gibt allerdings viel versprechende Ansätze, auch hier die Verfahrensschritte durch Einsatz moderner Techniken zu vereinfachen. Es werden auch völlig neue Wdege beschritten, zum Beispiel der Aufschluss von Pflanzenmaterial mithilfe von Ammoniak, der dazu führt, dass die entstehenden Bio-Öle nicht säurehaltig sind und damit leichter verarbeitet werden können.

Eine weitere, heute noch wenig genutzte Möglichkeit, Kraftstoffe zu gewinnen, ist der gezielte Anbau von Ölpflanzen in Steppen und Halbwüsten, also Gebieten, in denen herkömmliche Landwirtschaft nicht möglich ist. Hier sind die Purgiernuss (Jatropha) und Rizinusbohnen zu nennen, die als Pflanzen nur geringe Anforderungen an Boden und Wasserverfügbarkeit stellen, so dass sie dort angebaut werden können, ohne mit anderen Nahrungspflanzen zu konkurrieren.




Abb.: Jatrophanüsse – Treibstoff der Zukunft?

Die gezielte Bodenverbesserung mit Terra preta könnte dabei mithelfen, die Erträge zu steigern. Ein weiterer Vorteil der Nutzung dieser Pflanzen wäre die Möglichkeit, in Entwicklungsländern viele bäuerliche Existenzen zu sichern, bzw. sogar neu zu schaffen.

Relativ neu in der Engtwicklung ist die so genannte hydrothermale Karbonisierung, bei der b eliebige Pflanzenteile durch Druck und Temperatur innerhalb weniger Stunden zu Erdöl ähnlichen Stoffen und Kohle umgewandelt werden können, ein Vorgang, für den die Natur Millionen von Jahren braucht. Die Beschreibng dieses Verfahfrens ist das Thema unseres nächsten Artikels.

Fragen und Anregungen beantworten wir gerne unter unserer Email-Adresse terrapreta@web.de

Arbeitsgruppe Terra preta in der AG Energie & Umwelt